REVIEWS 2022 VON DER METAL ONLY REDAKTION

Hier könnt ihr euch über bekannte Bands, ihre neuen Alben, ihre Fehltritte ... auslassen

Moderator: Mazze

Benutzeravatar
gelal
Todesgrinder
Todesgrinder
Beiträge: 856
Registriert: Mi 01 Jun, 2011 21:53
Wohnort: Norderstedt
Kontaktdaten:

Re: REVIEWS 2022 VON DER METAL ONLY REDAKTION

Beitrag von gelal »

Bild

Band: Firtan (D)
Genre: Pagan / Black Metal
Label: AOP Records
Album Titel: Marter
Spielzeit: 58:14
VÖ: 30.09.2022

Pagan Black Metal ohne pagane Texte? Was erstmal wie ein Widerspruch anmutet, ist eigentlich gar keiner. Es gibt hierzulande mehrere Bands, die diese Unterspielart des Black Metals für sich entdeckt haben, aber keine Barden an Odins Hof sein wollen. Und auch Firtan aus Lörrach wollen lieber in die Tiefen des Menschlichen und der Natur abtauchen und zutagefördern, was sich dort versteckt hält.

Mit ihrem dritten Album "Marter" haben sie nach vier Jahren der Durststrecke neue Köstlichkeiten vertont und bieten eine ganze Stunde Hörgenuss. Mehrere Texte wurden durch Lyriker, die um die letzte Jahrhundertwende lebten, inspiriert, welche meiner Meinung nach auch musikalisch zu den stärksten Titeln zählen. Gewaltig, dystopisch, kalt, gewaltsam, das sind die Attribute, die ich diesen Titel zuschreiben kann und die sich in den Anspieltipps wiederfinden. Doch auch die anderen Lieder sind nicht ohne und machen mit ihren unterschiedlichen Wiedererkennungsmerkmalen die Scheibe sehr kurzweilig und unterhaltsam. Jeder Song lässt sich sehr gut von den anderen differenzieren und doch gibt Firtan mit "Marter" ein stimmiges Gesamtbild ab.

Neben den zu erwartenden Instrumenten wird auch auf Streicher und narrative Textpassagen zurückgegriffen, die im "normalen" Pagan Black Metal nicht zum Einsatz kommen. Des weiteren wird hier und da mit Tempo, Intensität und dem Wechselspiel zwischen Textpassagen und (längeren) Instrumentalpassagen gearbeitet, was die Songs neu und ungehört erklingen lässt. Trotz der allgemein recht langen Spielzeiten der Titel kommt nur ein Mal Monotonie auf (Ende von "Amor Fati"), gewöhnlich herrscht auf diesem Album aber eine stete Spannung.

Über die Produktionsseite dieses Werkes müssen wir eigentlich nicht reden. "Marter" wurde, wie die anderen Alben auch, im Klangschmiede Studio E aufgenommen, gemischt und gemastert, was man hören kann.

Fazit:
Firtans dritter Output hat Kraft, Intelligenz und Tiefgang in jeglicher Form. Die allgemein langen Songs sind abwechslungsreich, intensiv und besitzen alle ihre eigenen Wiedererkennungsmerkmale, die sie von den anderen Songs unterscheiden, aber deutlich als Firtans Kompositionen erkennen lassen.

Punkte: 9/10

Anspieltipp: Labsal, Lethe, Parhelia

Tracklist:

01. Fa­­ðir
02. Amor Fati
03. Labsal
04. Lethe
05. Parhelia
06. Odem
07. Menetekel
08. Perath
09. Medomai (CD Boxset & Vinyl Bonus Track)

Lineup:

Phillip Thienger - Vocals, Guitars, Keyboard
Chris S. - Guitars
Oliver König - Bass, Backing Vocals
Klara Bachmair - Violin
David Kempf - Drums

https://www.facebook.com/Firtanofficial

Autor: Godshand

https://www.metal-only.de/fileadmin/rev ... r-2022.pdf
only the weak die on the cross, the strongest during the fight

I HATE HIP HOP!!!

Ich bin Fördermitglied und stolz drauf!
Benutzeravatar
gelal
Todesgrinder
Todesgrinder
Beiträge: 856
Registriert: Mi 01 Jun, 2011 21:53
Wohnort: Norderstedt
Kontaktdaten:

Re: REVIEWS 2022 VON DER METAL ONLY REDAKTION

Beitrag von gelal »

Bild

Band: Ellende (A)
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: AOP Records
Album Titel: Ellenbogengesellschaft
Spielzeit: 48:44
VÖ: 30.09.2022

Ellende, gegründet 2011, veröffentlicht mit "Ellenbogengesellschaft" das bereits vierte Album. Es gibt Leute, die behaupten; das dritte Album einer Band ist meist das Wegweisende. Wenn dem wirklich so wäre, dann müsste das neue Album der Band aus Österreich im Prinzip in dieselbe Kerbe schlagen wie der Vorgänger "Lebensnehmer"!? Dann wäre hier eigentlich schon Ende mit schreiben!

Wer Ellende seit Gründung, oder zumindest seit dem 2013er selbst-betiteltem Debütalbum, verfolgt, wird aber wissen; wo Ellende draufsteht, ist zwar auch Ellende drin, doch man bekommt auch immer Neues und Interessantes geboten, was die stetige Weiterentwicklung L. G.s auf musikalischer, wie auch auf lyrischer Seite zeigt.

So auch auf "Ellenbogengesellschaft". Das Album ist eine emotionale Achterbahnfahrt, in puncto Vocals genauso wie in der Musik. Filigrane postmusikalische Parts treffen auf hartes, sägendes Black Metal Riffing. Tragende Atmosphäre trifft auf auf Melodiebögen und auf Monotonie zugleich und Drums, die mal nach vorn preschen, als gäbe es keinen Morgen, sich auf der anderen Seite aber auch gut unterordnen können und nur songdienlich agieren. Der Bass kommt dabei auch nicht zu kurz und färbt das Ganze zusätzlich dunkel. Sehr schön untermauert das traurig-schöne "Someday" die drückende Stimmung des Albums. Mit sehr wenig Text bestückt sind die knapp 5 1/2 Minuten eher ein Instrumental, welches sich zum Ende hin mit inbrünstigen Schreien in einen brachialen Black Metaller ergießt, um dann mit dem Piano auszuklingen, welches den Song auch einleitet.

Oder "Ruhelos". Mal umschmeicheln das Ohr zarte Akustikgitarren, aus denen heraus sich eine feine Melodie entwickelt, welche sich immer mehr aufbaut, um schlussendlich in einem fulminanten, mit markigen Schreien besetzten Black Metaller zu münden. Dabei kommt die Atmosphäre aber nie zu kurz und selbst wenn die Schießbude aus allen Rohren feuert, trägt sie den Song mit.

So könnte man jeden Song auseinandernehmen und man würde immer wieder neue Details aufdecken. Genau wie die anderen Alben Ellendes wird der geneigte Hörer auch hier wieder feststellen, dass nichts vorhersehbar ist. Bei jedem Durchlauf der Scheibe stellt man fest; ja das kommt mir bekannt vor, wirst dann aber plötzlich doch wieder überrascht und fragst dich; "hä, war das vorhin auch schon da?". Mir ging es jedenfalls nicht nur einmal so.
Was auf dem neuen Album auffällt, ist, dass L.G. hier deutlich mehr mit Chorus arbeitet, dies ist teilweise so deutlich, dass es schon als tragendes Element einzustufen ist.

Lyrisch kann sich jeder sicher schon seinen Teil denken, um was es geht, wenn er den Album Titel liest. Grob gesagt setzt sich das Werk mit der immer mehr Ich-bezogenen Gesellschaft auseinander, in der mit Ellenbogen und ohne Empathie agiert wird. Aber auch Ängste an sich oder der Sinn des Lebens bzw. des eigenen Daseins sind hier Themen. Wobei die Lyrics viel Interpretationsspielraum lassen.

Eingetütet von Markus Stock in der Klangschmiede Studio E, braucht es nicht vieler Worte, um zu sagen, so muss das sein. Nicht zu glatt, nicht zu rau und doch immer stil- und genregerecht, hier wurde alles richtig gemacht. Nicht jeder versteht es, einem Album unterschiedliche Klangfarben an den richtigen Stellen zu verpassen, was die Produktion hier noch wertiger macht.

Fazit:
Ellendes viertes Album zeigt deutlich, das L.G. sich stetig weiterentwickelt und nicht einfach "nur" neue Songs schreibt, sondern sich mehr oder weniger immer wieder neu erfindet. Ja, wo Ellende draufsteht, ist auch Ellende drin, das bedeutet aber nicht, dass sich das, was auf einem neuen Album erscheint, ausrechnen bzw. vorhersagen lässt. "Ellenbogengesellschaft" zeigt Ellende in Höchstform, ist zu 100% Ellende, aber doch neu. Diese Scheibe wird Black- und Post Black Metal Fans gleichermaßen begeistern.

Punkte: 9/10

Anspieltipp: alles

Tracklist:

01. Ich bin
02. Unsterblich
03. Ruhelos
04. Hand Aufs Herz
05. Someday
06. Freier Fall
07. Abschied
08. Verletzlich

Lineup:

L.G. - Vocals, Guitars, Bass, diverse Instruments
P.F. - Drums

Guest Musician:

JJ (Harakiri For The Sky) - add. Vocals on Ruhelos

https://www.facebook.com/ellende.official
http://www.ellende.at

Autor: Thomas

https://www.metal-only.de/fileadmin/rev ... t-2022.pdf
only the weak die on the cross, the strongest during the fight

I HATE HIP HOP!!!

Ich bin Fördermitglied und stolz drauf!
Benutzeravatar
gelal
Todesgrinder
Todesgrinder
Beiträge: 856
Registriert: Mi 01 Jun, 2011 21:53
Wohnort: Norderstedt
Kontaktdaten:

Re: REVIEWS 2022 VON DER METAL ONLY REDAKTION

Beitrag von gelal »

Bild

Review von Metal Only:

Band: From the Vastland (N)
Genre: Black Metal
Label: Crawling Chaos Records
Album Titel: Taurvi
Spielzeit: 51:32
VÖ: 07.10.2022

Ein Comedian-Duo des Norddeutschen Rundfunks hat um die Jahrtausendwende ein Zitat geprägt, was ich bis heute nicht vergessen konnte. Es passt sehr selten, aber hier möchte ich es doch mal anbringen: "Der Zauber der Neuheit ist längst bei uns verschwunden".

Dieser Satz, den man vielleicht zwei Mal lesen muss, um ihn in seiner Gänze zu begreifen, beschreibt für mich sehr gut, was sich bei From the Vastland abspielt. Gegründet anno 2010 in Teheran, einem Land, was ich mit Metal sonst überhaupt nicht verbinde (und allein schon deswegen einen Aha-Effekt auslöst), zog Mastermind Sina Winter im Jahr 2013 nach Norwegen. Dort hat er sich eine versierte Unterstützung zusammengetrommelt und sein Ein-Mann-Projekt zu einer Band geformt. Mir bekannt wurde die Band mit dem 2014er Werk "Temple of Daevas", und warum ich dieses merkwürdige Zitat angebracht habe, ist der Tatsache geschuldet, dass ich mir während des Schreibens dieses Album nochmal angehört habe und zwischendrin dachte, ich höre das aktuelle Album. Und das ist das große Problem mit From the Vastland.

Rein auf die Musik fokussiert, gibt es klassischen Black Metal der traditionellen Schule, der wenig bis gar nicht auf Innovationen setzt und - bedingt durch die norwegischen Wurzeln der weiteren Bandmitglieder - dem Norwegian Black Metal die Ehre erweist. Was bei den vielen Durchläufen auffällig geworden ist, ist die "dünne" Gitarre, die als Trademark der Band bezeichnet werden kann, da sie beim Gegenhören älterer Alben durchgängig präsent war. Das kann man schon machen, hinterlässt aber den Gedanken an ein unfertiges Produkt. Wenig Unterstützung kommt dabei auch vom Bass, der mit erdigen, fetten Tönen dieses Manko abmildern oder ausmerzen könnte. Ganz allgemein muss man die Basslinien mit der akustischen Lupe suchen, und auch die Drums sind mir zu variantenarm ausgefallen.

Der letzte große Kritikpunkt widmet sich den nicht vorhandenen Soli. Muss ein Song unbedingt ein Gitarrensolo beinhalten? Nun, nicht zwangsweise, aber die Struktur eines Liedes wird durch ein derartiges Stilmittel aufgelockert und gern auch als Steigerung zum zu erwartenden Höhepunkt eingesetzt. Da dieses Element auf "Taurvi" aber fehlt, neigen die Songs trotz Spielzeiten um die sechs bis sieben Minuten dazu, endlos zu erscheinen, der fehlende Spannungsaufbau tut sein Übriges. Oder sie ähneln sich so sehr, dass sie schwer auseinanderzuhalten sind. Von dieser Regel gibt es nur ganz wenige Ausnahmen ("Emerging Calamity", "Towards the burning Horizon").

Der Gesang ist typisch Black Metal. Rau, keifig und schwer verständlich, wobei sich aber auch immer wieder Textpassagen gut verstehen lassen. Die Lyrics handeln von den Machenschaften und Kämpfen des Guten und Bösen der persischen Mythologie, was an sich recht cool ist, weil es sonst nie thematisiert wird. Auf der anderen Seite gibt es den Kampf Gut gegen Böse aber in so ziemlich jedem Metalgenre, sodass der Zauber der Neuheit sofort wieder verschwindet. Aber gerade im Hinblick auf dieses lyrische Thema hätte ich mir mehr Varianz in der Vortragsweise gewünscht. Narrative, die Songs einleiten (am ehesten zu finden in "Hamistagan"), oder abwechselnder Klar- und Keifgesang, um die Machenschaften der involvierten Parteien stärker zum Vorschein zu bringen, wären nur zwei einfache Ideen, die Wunder bewirkt hätten. So bleibt es recht monoton.

Jetzt aber mal was Gutes. Freunde des Norwegian Black Metals werden mit From the Vastlands Diskografie und dem neuesten Streich "Taurvi" auf ihre Kosten kommen. Die Kombination mit nahöstlichen Themen und Klängen (aber ohne orientalische Instrumente) macht das Hörerlebnis trotz des durchschimmernden Democharakters wertvoll und erweitert den musikalischen Horizont. Die Songs sind durchzogen von einigen Tempowechseln, wobei echte Blastbeats aber nicht immer voll ausgespielt werden (Ausnahme: "Taurvi, the Archdemon"). Es bleiben einem also die Nackenschmerzen erspart, die sonst durch massives Mitbangen jedes einzelnen Tons drohen würden.

Die Produktion hat bereits ihr Fett wegbekommen, die Scheibe klingt dünn, hätte insgesamt mehr Bumms vertragen können, kann aber trotzdem... naja, nicht überzeugen, aber zumindest zufriedenstellen.

Fazit:
Inwiefern das siebte Album über die persischen Götter und Dämonen noch Leute abholt, ist zwar fragwürdig, aber die neue Scheibe reiht sich nahtlos an die Vorgänger an. Eine Weiterentwicklung ist erstmal nicht zu erkennen und auch die Dünnhäutigkeit im Klang trübt die Freude schon, aber deswegen gleich von einem Totalausfall zu sprechen, wäre übertrieben. Für dieses Mal war das zu wenig, mehr Glück beim nächsten Mal.

Punkte: 6/10

Anspieltipp: Taurvi, the Archdemon, Towards the burning Horizon

Tracklist:

01. Mar-Tiya-Khvara
02. The Crowned Of Oshidarn
03. They Come In Swarm
04. Emerging Calamity
05. Hamistagan
06. Taurvi, The Archdemon
07. Towards The Burning Horizon
08. Spanjaroush (Bonus Track)

Lineup:

Sina Winter - Vocals, Guitars
Tjalve - Bass
Spektre - Drums

https://www.fromthevastland.no

Autor: Godshand

https://www.metal-only.de/fileadmin/rev ... i-2022.pdf
only the weak die on the cross, the strongest during the fight

I HATE HIP HOP!!!

Ich bin Fördermitglied und stolz drauf!
Benutzeravatar
gelal
Todesgrinder
Todesgrinder
Beiträge: 856
Registriert: Mi 01 Jun, 2011 21:53
Wohnort: Norderstedt
Kontaktdaten:

Re: REVIEWS 2022 VON DER METAL ONLY REDAKTION

Beitrag von gelal »

Bild

Band: Blind Illusion (USA)
Genre: Thrash Metal
Label: Hammerheart Records
Album Titel: Wrath Of The Gods
Spielzeit: 51:25
VÖ: 07.10.2022

1978 in San Francisco, Kalifornien gegründet stehen Blind Illusion nun satte 44 Jahre später mit ihrem dritten full lenght Album auf der Matte. Zwar gab es immer mal wieder verschiedene Demos und Singles, durch eine längere Pause aber, kam es bisher nicht zu mehr Output der US-Amerikaner.

"Straight As The Crowbar Flies" ist der erste Track des neuen Silberlings und der bringt das Album auch ordentlich ins Rollen. Schnell und brachial und mit ordentlichem Bassvolumen strömt er aus den Boxen in den Raum und ein eingängiger Refrain gibt dem Track den nötigen Feinschliff.

"Slow Death" gliedert sich gut an den Opener an. Die Gitarren kommen schön riffig daher und können durch ausgefeilte Soli glänzen. Unglaublich schnell und knackig wird es wenn Doug Percy sich ein Herz fast und alles aus den sechs Saiten heraus kitzelt. Das macht richtig Freude beim Zuhören. Kaum meinst du einmal durchatmen zu können, knallt er dir wieder einen Powerchord um die Ohren, fesselt dich an Any Galons Bassdrum und los geht der Ritt durch die Landschaft der Genre typischen Taktwechsel. Der Gesang von Marc Biedermann passt gut ins Klangbild und kann durch raue Nuancen überzeugen, während er von Tom Gears Bass untermalt wird.

Die beiden darauf folgenden Songs bleiben nicht so sehr im Ohr hängen, sind aber keinesfalls schlecht komponiert. Die Melodieführung und der Einfallsreichtum halten sich hier im Gegensatz zum Rest der Scheibe aber etwas zurück. Der Titel Track "Wrath Of The Gods" hingegen, macht dann wieder da weiter wo "Slow Death" aufgehört hat. Die klassischen Thrash Elemente stehen schön prägnant im Mittelpunkt, was die Scheibe schön old school, keinesfalls aber unmodern erscheinen lässt. Liebhaber von Exodus oder Slayer werden hier durchaus angesprochen.

Gegen Ende der Scheibe werden die Songs immer länger, was dem Ganzen etwas die Zackigkeit und Frische nimmt. Persönlich hätte ich mir kürzere Spielzeiten, dafür aber einen Song mehr gewünscht. Die CD wurde gegen Ende außerdem noch durch zwei Bonustracks bereichert, welche sich gut ins Album einfügen aber nicht sonderlich herausstechen.

Fazit:
Mit "Wrath Of The Gods" haben Blind Illusion einen durchaus soliden Silberling geschaffen. Technisch hervorragen umgesetzt, werden hier nicht nur Fans des klassischen Thrash fündig, sondern auch Genre-Neulinge. Klangvolumen und Abwechslungsreichtum regieren einen Großteil des Albums. Ein Tribut an den klassischen Thrash, ohne Scheu vor der Moderne, mit einer guten Portion Spielwitz erzeugen eine progressive Thrash Komposition.

Punkte: 8/10

Anspieltipp: Straight As The Crowbar Flies, Wrath Of The Gods

Tracklist:

01. Straight As The Crowbar Flies
02. Slow Death
03. Protomolecule
04. Spaced
05. Wrath Of The Gods
06. Behemoth
07. Lucifer's Awakening
08. Amazing Maniacal Monolith (CD Bonustrack)
09. No Rest 'til Budapest (CD Bonustrack)

Lineup:

Marc Biedermann - Vocals
Doug Pearcy - Guitars, Backing Vocals
Tom Gears - Bass
Any Galon - Drums

https://www.facebook.com/officialblindillusion
https://www.blindillusion.com

Autor: Yannick

https://www.metal-only.de/fileadmin/rev ... s-2022.pdf
only the weak die on the cross, the strongest during the fight

I HATE HIP HOP!!!

Ich bin Fördermitglied und stolz drauf!
Benutzeravatar
gelal
Todesgrinder
Todesgrinder
Beiträge: 856
Registriert: Mi 01 Jun, 2011 21:53
Wohnort: Norderstedt
Kontaktdaten:

Re: REVIEWS 2022 VON DER METAL ONLY REDAKTION

Beitrag von gelal »

Bild

Band: De Profundis (GB)
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity Records
Album Titel: The Corruption Of Virtue
Spielzeit: 38:29
VÖ: 07.10.2022

Die Briten De Profundis sind seit nunmehr 17 Jahren aktiv und kommen dieser Tage mit Album Nummer 6 daher. Der Stil der Band hat sich dabei von mehr oder weniger Death Doom zum progressiven Death Metal gewandelt, wobei ich hier auch deutliche Technical Death Momente zu hören bekomme. Dies dürfte auch an diversen Wechseln im Line Up liegen, was natürlich Einflüsse der anderen Musiker mit sich bringt. Mit Craig Land (Vocals) ist nur noch ein Gründungsmitglied an Bord.

"The Corruption Of Virtue", so der Tiltel der Scheibe, wird mit "Ritual Cannibalism" eröffnet. Das Ganze kommt dann zwar im eher klassischem Death Metal Gewand daher, allerdings hört man schon hier die technische Seite der Musik, welche auch die Versiertheit der Musiker schön zum Tragen bringt. So klassisch das Riffing auch sein mag, diese technische und progressive Note ist immer vernehmbar und gibt der Musik kleine aber feine Details, welche den Hörer immer wieder ins "Auge" - respektive "Ohr" - fallen. Vor allem unter'm Kopfhörer wird der eine oder andere "Aha-Effekt" deutlich. Schön zu vernehmen in "Sectarian Warfare", dort gibt es neben feinen Soli solche Detail-Momente, die wohl kaum jemand ohne Kopfhörer wahrnehmen wird.

Die progressive Note zieht sich durch alle Nummern und auch wenn es im einen oder anderen Song feine Melodielinien zu hören gibt, so bleibt der Technical Death, gepaart mit kernigen, klassischen Death Riffs und progressiven Anteilen tragendes Element. Das Schlagwerk treibt dabei die Stücke gnadenlos nach vorn, auch wenn es hin und wieder etwas zu sehr getriggert daherkommt. Der Bass sorgt für einen schönen dunklen Touch und setzt sich songdienlich in Szene. Zu Beginn von "Scapegoat" gibt es kurz mal einen Hauch Doom Death zu hören, wie ihn De Profundis in ihren Anfangstagen spielten, aber auch diese Nummer geht dann schnell in den technischen Death Metal über und zieht das Tempo wieder an. Verschnaufpausen gibt es auf dem Album kaum, wenn, dann nur, um einmal tief einzuatmen. Craig growlt, was das Zeug hält und steht der Instrumentalfraktion in Nichts nach, könnte allerdings noch etwas aggressiver daherkommen.

Mix und Produktion sind sehr gelungen, ergeben ein ausgewogenes Klangbild und lassen vor allem unterm Kopfhörer alle Details erkennen. Wenn man nicht gerade im Auto sitzt oder am "Headbangen" ist, sollte jeder, der auf technisch versierten Death Metal abfährt, auch den Kopfhörer nutzen. Es lohnt sich.

Fazit:
De Profundis haben mit ihrem 6. Studiowerk ein aggressives, technisch anspruchsvolles und detailverliebtes Album am Start, was mit ausgefeiltem Songwriting, Aggressivität, aber auch mit feinen Melodien und Soli glänzt. 9 Tracks in knapp 38 1/2 Minuten sind für Death Metal nicht zu kurz, ob des sehr starken Songwritings und der technischen Finesse hätte ich mir allerdings noch einen oder zwei Songs mehr gewünscht, denn diese nicht mal 40 Minuten sind gefühlt in 20 vorbei. Man erfindet das Rad nicht neu und ähnliches gibt es auch anderswo zu hören, aber man nimmt den geneigten Hörer mit und verleitet ihn, die Scheibe mehrmals am Stück zu hören. Also; alles richtig gemacht!

Punkte: 8/10

Anspieltipp: Sectarian Warfare, Relentless March, Scapegoat

Tracklist:

01. Ritual Cannibalism
02. Sectarian Warfare
03. Relentless March
04. Weaponised Rape
05. Embrace Dystopia
06. Desecrating Innocence
07. Religious Cancer
08. Scapegoat
09. The Sword Verses

Lineup:

Craig Land - Vocals
Shoi Sen - Guitars
Paul Nazarkardeh - Guitars
Steve Woodcock - Bass
Tom Atherton - Drums

https://www.facebook.com/deprofundistheband

Autor: Thomas

https://www.metal-only.de/fileadmin/rev ... e-2022.pdf
only the weak die on the cross, the strongest during the fight

I HATE HIP HOP!!!

Ich bin Fördermitglied und stolz drauf!
Benutzeravatar
gelal
Todesgrinder
Todesgrinder
Beiträge: 856
Registriert: Mi 01 Jun, 2011 21:53
Wohnort: Norderstedt
Kontaktdaten:

Re: REVIEWS 2022 VON DER METAL ONLY REDAKTION

Beitrag von gelal »

Bild

Band: Asgrauw (NL)
Genre: Black Metal
Label: Death Prayer Records
Album Titel: Facade
Spielzeit: 37:50
VÖ: 07.10.2022

Bereits 12 Jahre sind Asgrauw aus den Niederlanden schon musikalisch aktiv. Ihr kommendes, fünftes Vollwerk trägt den Titel "Facade" und wird Anfang Oktober 2022 über Death Prayer Records erscheinen. Nicht alle holländischen Schwarzheimerkapellen können und konnten mich immer überzeugen, aber bei der Truppe aus Gelderland hatte ich von Anfang an, auch bei ihren älteren Veröffentlichungen, keine negativen Berührungspunkte. Multi-Instrumentalist Floris Velthuis ist seit 2012 mit von der Partie.

Die Platte packt mich von der ersten Sekunde an. Herrlich kalt-klirrende Gitarrenriffs paaren sich mit der frostig-keifenden Stimme von Vaal. Die Schießbude ballert und groovt zugleich mit schönen Breaks und Fill-ins. Auch der dezente Keyboardteppich verfeinert das Klangbild im positiven Sinne. Ich habe das Gefühl, wieder in die glorreichen 90er einzutauchen und Black Metal dieser Epoche in meiner Anlage zu haben. Asgrauw erschaffen auf ihrem Langeisen melodisch und doch brutal wirkende Kompositionen.

Auch die immer wieder sehr rockigen Zwischenparts, mit teils gesprochenen oder rauh-kehligen Stimmakzenten, bringen hier einen weiteren Pluspunkt. Gerade dann, wenn auch mal vom Gaspedal gegangen wird, erzeugen Asgrauw sehr epische Momente in ihren Soundkonstrukten. Es fällt mir schwer, hier wirkliche Favoriten zu bennen, da alle Stücke gleichermaßen diesen Retro-Charme versprühen.

Fazit:
Eine musikalische Reise in meine persönliche Black Metal-Vergangenheit. Mit dieser Art von schwarzer Tonkunst bin ich aufgewachsen und bis heute verwurzelt. Wer auf die "guten alten" Satyricon, Dimmu Borgir und Konsorten abfährt, wird mit "Facade" definitiv keinen Fehlgriff machen. Pure 90's Black Metal Worshipping! Uneingeschränkte Empfehlung!

Punkte: 9/10

Anspieltipp: alles

Tracklist:

01. Versplinterd Hout
02. Geketend
03. Zielloos
04. Offerande
05. Tussen Willen En Kunnen
06. Hernemen
07. As Van De Doden
08. Levenswaan

Lineup:

Vaal - Vocals, Guitars
Kaos - Bass, Vocals, Spoken Word
Batr - Drums, Synths, Additional Bass

https://www.facebook.com/Asgrauw

Autor: Blacky

https://www.metal-only.de/fileadmin/rev ... e-2022.pdf
only the weak die on the cross, the strongest during the fight

I HATE HIP HOP!!!

Ich bin Fördermitglied und stolz drauf!
Benutzeravatar
gelal
Todesgrinder
Todesgrinder
Beiträge: 856
Registriert: Mi 01 Jun, 2011 21:53
Wohnort: Norderstedt
Kontaktdaten:

Re: REVIEWS 2022 VON DER METAL ONLY REDAKTION

Beitrag von gelal »

Bild

Band: Captain Black Beard (S)
Genre: Melodic Hard Rock
Label: Mighty Music
Album Titel: Neon Sunrise
Spielzeit: 45:57
VÖ: 07.10.2022

Das Schöne daran, Musikfreak zu sein, ist für mich immer, wenn die "guten alten Zeiten" zurückkehren. Aktuell durfte man dies in der Heavy Metal Szene beobachten, in der kleine Bands, die den Spirit der 80er wieder aufleben lassen, wie Pilze aus dem Boden sprießen. Da ich mein Leben lang aber die selbe Begeisterung, die ich für klassischen und traditionellen Heavy Metal lebe, genauso auch für AOR und Melodic Rock teile, kommt mir der jüngste Stoß an Bands aus Schweden und Finnland nur absolut recht.

Ob es nun die bekannteren Truppen wie H.E.A.T. oder Eclipse sind, oder mal kleinere Truppen wie Drive At Night und Rust 'N' Rage, der Sound ist wieder richtig gewünscht und wird von vielen Bands mit frischem Wind versehen.

Captain Black Beard klingen vom Bandnamen nun zwar eher nach zünftigem Party-Piraten-Folkrock oder tanzbarem Folk Metal, bewegen sich aber exakt auf der Schiene der eben genannten Bands. Ebenfalls in Schweden verwurzelt, liefern sie nun mit ihrem noch recht frischen Sänger im Gepäck, der hier sein zweites Werk einträllert, ihr sechstes Studioalbum ab. Und sie machen ihre Sache hervorragend.

Es gibt durchweg arena- und radiotauglichen Stoff mit knackigen Rock Riffs auf einem zuckrigen Keyboard-Teppich mit Ohrwurmrefrains en masse. Sänger Martin Holsner erinnert hierbei nicht selten an eine Mischung aus Brother Firetribe und Kiss. Wenn man dann noch in knackig treibenden Stücken wie dem fetzigen Opener "Flamenco", oder dem gelungenen "Night Reaction", wunderbare Gitarrensoli (bei letzterem auch ein längeres Keyboardsolo noch oben drauf) genießen darf, bleiben kaum Wünsche offen. Die Sologitarre brilliert natürlich auch in den hymnischeren Mid-Tempo-Songs wie dem grandiosen "We're The Forgiven", oder dem gelungenen "Wasted Heart". Das Keyboard verzichtet auf den "Fanfaren Sound" und versprüht eine herrlich old-schoolige Stimmung, die mich an alte Skagarack oder die erste ZAR Scheibe erinnern, was ein klarer Pluspunkt ist.

Fazit:
Die Schweden hauen ein neues Album raus, das neben den aktuellen Outputs ähnlicher Genrevertreter locker bestehen kann. Die extrem hohe Melodiedichte und Menge an guten Refrains, gepaart mit schmackhafter Riff- und Soloarbeit, macht durch die Bank Spaß. Wer dem Genre mit Retroflair zugeneigt ist, der kommt an "Neon Sunrise" kaum vorbei. Wieder ein klasse Rock Album 2022.

Punkte: 10/10

Anspieltipp: Flamenco, We're The Forgiven, Night Reaction

Tracklist:

01. Flamenco
02. We're The Forgiven
03. Physical
04. Moment Of Truth
05. Wasted Heart
06. Night Reaction
07. Chains Of Love
08. Burning Daylight
09. Break (Into Forever)
10. Invincible
11. State Of Denial
12. Neon Sunrise

Lineup:

Christian Ek - Guitars
Martin Holsner - Vocals
Daniel Krakowski - Guitars
Robert Majd - Bass
Yngve Strömberg - Drums

https://www.facebook.com/CaptainBlackBeardBand
https://www.captainblackbeard.net

Autor: Slaine

https://www.metal-only.de/fileadmin/rev ... e-2022.pdf
only the weak die on the cross, the strongest during the fight

I HATE HIP HOP!!!

Ich bin Fördermitglied und stolz drauf!
Antworten